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Ankündigung

Infoveranstaltung: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Über das Thema „Patientenverfügung“ informiert das Ethikreferat der DIAKO

am Dienstag, den 24. April 2018    16:00 - 18:00 Uhr

Fliednersaal 1-2; Ebene 2; Eingang  Marienhölzungsweg 2

Wer sein Selbstbestimmungsrecht in Gesundheitsangelegenheiten wirksam ausüben möchte, kann beizeiten mit einer Patientenverfügung Vorsorge  treffen.

Doch, wie muss eine Patientenverfügung richtig ausgefüllt sein? Was muss beachtet werden, damit sie im Bedarfsfall auch gültig ist? Welche Dokumente sind außer der Patientenverfügung noch notwendig? Und wie kann ich sicherstellen, dass die Patientenverfügung im „Fall des Falles“ von dem Behandlungsteam auch berücksichtigt wird?

Diese und weitere Fragen beantworten Susanne Dinse und Stephanie Wullf  

Eintritt frei


(Die Patientenverfügung der DIAKO Flensburg kann für eine Schutzgebühr von 2,-€ erstanden werden)

Veranstaltung zum Buß-und Bettag 2018

Mittwoch, 21.November 2018

diese Veranstaltung befindet sich in Planung

Archiv der Veranstaltungen

Patientenwohl

Veranstaltung zum Buß-und Bettag 2017


Neben dem Gesundwerden sei es im Krankenhaus für den Patienten auch wichtig, dass er sich wohl fühlt, sagte Rektor Wolfgang Boten als Einführung zur Veranstaltung „Patientenwohl“, zu der die Ethikreferate von Diako und Franziskus-Hospital und das sh:z-Medienhaus eingeladen hatten. „Sehr gern“ beteilige sich der sh:z an dieser Veranstaltung mit diesem wichtigen Gesundheitsthema, hob Carlo Jolly, Leiter der Stadtredaktion des Flensburger Tageblatts, hervor. Wie wichtig das Thema Gesundheit den Bürgern Flensburgs sei, zeigten nicht zuletzt die intensiven Diskussionen um ein gemeinsames neues Zentralkrankenhaus.

Ein szenischer Einstieg mit den Ethikbeauftragten des Diakonissenkrankenhauses führte den Besuchern vor Augen, wie wenig es an Zugewandtheit bedurft hätte, um aus einem „alleingelassenen“, unzufriedenen Patienten einen zufriedenen zu machen.

Diplom-Psychologe Dr. Michael Wunder, Mitglied im Deutschen Ethikrat, berichtete in seinem Impulsvortrag zum Thema Patientenwohl, dass sich das medizinische Wissen zwar alle zwei Jahre verdoppele, Umfragen zufolge aber 72 Prozent der deutschen Chefärzte angeben, sie hätten  zu wenig Zeit für Kommunikation – und bei den Pflegenden sind es sogar 88 Prozent, die sich mehr Zeit für Zuwendung wünschten. Dabei habe sich das Verhältnis von Ärzten zu Pflegern in den vergangenen 15 Jahren deutlich verändert: Wunders Zahlen zufolge seien im Jahr 2001 noch 110.000 Ärztestellen gezählt worden und mit  331.000 dreimal so viele Pflegestellen. 2014 sei die Zahl der Ärztestellen mit auf mehr als 150.000 gewachsen – und die der Pflegekräfte  auf rund 319.000 geschrumpft. In der Diskussion um das Patientenwohl müsse deshalb auch über Pflegepersonalschlüssel oder Mindestquoten vollexaminierter Kräfte geredet werden.

Gleicher Zugang und eine gerechte Verteilung von medizinischen Leistungen – das sind nach Dr. Wunder wichtige ethische Kriterien für die Behandlung der Patienten. „Im Sinne einer fairen Behandlung müssen die Besonderheiten des Individuums eine angemessene Berücksichtigung finden“, so Dr. Wunder. Das gelte im besonderen Maße auch für Menschen mit Behinderung sowie dementiell erkrankter Patienten. Da die Kommunikation mit den Patienten so wichtig sei für die Behandlung, gehört es aus seiner Sicht als abrechenbarer Posten in die DRGs (Fallpauschalen). Dr. Wunder: „Das ist sehr gut möglich, man muss er nur wollen.“ 

Der Ethiker hob zwar an einer Stelle das Wirtschaftlichkeitsgebot als „patientengerecht“ hervor, da der Patient ja auch Beitragszahler sei. Er warnte zugleich aber auch vor einer massiven „ökonomischen Überformung“ ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Handelns.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Annette Symanczyk (Gesundheitsredaktion sh:z) ging es um die Frage, welche Kriterien in der Krankenhausbehandlung wichtig seien, damit sich der Patient gut behandelt fühlt und auf welche Kriterien man eher verzichten könne.

„Ich möchte als Patient ernst genommen werden“, erklärte Dr. Michael Wunder. Ein weiteres wichtiges Kriterium sei für ihn die Qualität der Medizin. Hier wünscht sich Margret Kiosz, Redakteurin des sh:z und ebenfalls Teilnehmerin der Podiumsdiskussion, eine „noch größere Transparenz: Ich möchte die Fehlerquoten bei bestimmten Eingriffen kennen und einfacher vergleichen können, welches Krankenhaus bei welchen Behandlungen gut ist“. Sie rät den Patienten, „den Mund aufzumachen“ und sich beispielsweise erklären zu lassen, „wofür denn nun die 15 verschiedenen Tabletten gut sind“.

Martin Mommsen von Geisau, Leiter der Seelsorge des Franziskus-Hospitals, würde sich als Patient wünschen, „dass mehr in mir gesehen wird als nur eine instabile Eiweiß-Hülle“. Er sieht das ideale Krankenhaus als Lernort, und zwar sowohl für Mitarbeitende als auch für die Patienten. „Multiprofessionelle Teams, die wirklich gut miteinander sprechen“ – das sei für ihn ein wichtiger Baustein für ein gutes Krankenhaus.

Zeit, Fachkompetenz, kommunikative Kompetenz – diese drei Punkte hob Dr. Christian Peters, Krankenhausdirektor der Diako, hervor. Während die Zeitressource wohl auch künftig in der Krankenhausarbeit nicht in wünschenswerter Form vorhanden sein werde, müsse man an der fachlichen und kommunikativen Kompetenz immer weiter arbeiten. So sei die Kommunikation, obwohl sie ganz wichtig sei im Verhältnis Arzt-Patient, in der Ausbildung der Ärzte erst seit etwa fünf Jahren stärker gefragt.

Uta Wroblewski, Pflegedirektorin des Franziskus-Hospitals, berichtete davon, wie sie selbst einmal als „Blaulicht-Patientin“ eingeliefert worden und „froh und dankbar darüber war, dass da Menschen waren, die mir alles gut erklärt haben.“ Dabei sei es vollkommen egal, ob das ein Arzt oder eine Fachkraft übernimmt: „Derjenige, der das Vertrauen aufgebaut hat zum Patienten, soll auch das Wort führen.“

Vor dem Hintergrund des steigenden wirtschaftlichen Drucks plädierte Klaus Deitmaring, Geschäftsführer der Malteser Norddeutschland gGmbH, dafür, „bei jeder Veränderung, die kommt und kommen muss, den Blickwinkel des Patienten nicht aus den Augen zu verlieren“. Freigemeinnützige Krankenhäuser wie das Franziskus-Hospital und die Diako hätten den Vorteil, „dass die Mittel, die erwirtschaftet werden, zu hundert Prozent dem Patienten zugute kommen“. Ein Riesenproblem sei die „überbordende Bürokratie“, die zu viel Kraft binde, die besser bei der Therapie und Betreuung der Patienten aufgehoben wäre.

Pastorin Susanne Dinse vom Ethikreferat der Diako brachte die Frage der „Haltung“ in die Diskussion ein. „Es dauert nicht länger, wenn sich der Arzt einen Moment zum Patienten setzt, wenn er mit ihm redet.“ Dies signalisiere dem Patienten: „Hier ist jemand, der sich in diesem Moment auf Dich einlässt.“ Ob das Essen einen zweiten Gang oder das Zimmer einen Fernseher habe, sei alles zweitrangig. „Ich fühle mich schwach, wenn ich im Krankenhaus bin. Wenn man mir gut begegnet, ist das ein gutes Haus“, so Pastorin Dinse.

Immer wieder meldeten sich auch Besucher zu Wort, deren Beiträge vom Podium aufgegriffen wurden. Neben Berichten von positiven Erfahrungen aus der Diako bemängelten zwei ehemalige Patienten eine teils mangelhafte Kommunikation. In einem Fall habe sich die genaue Zeit der Operation immer weiter verzögert, ohne dass die Patientin darüber ausreichend informiert wurde.

„Operationen können sich immer wieder verzögern, wenn wir Notfälle wie zum Beispiel Schwerverletzte zu behandeln haben, die mit dem Rettungshubschrauber in die Diako gebracht werden“, antwortete Dr. Peters. Er entschuldigte sich aber für die „Kommunikationspanne“: „Man hätte Ihnen einfach sagen müssen, dass es einen Notfall gibt und im Operationssaal wahrscheinlich gerade um ein Menschenleben gekämpft wird.“

Carlo Jolly / Ole Michel

Gerecht behandelt un(d) gerecht verteilt?

Dr. Andrea Dörries, Andreas Eilers, Michael Brems, Kim Schmidt
Kim Schmidt

November 2016:
Lebhafte Diskussion um Gerechtigkeit im Gesundheitswesen

„Im Bereich Gesundheit müsste es solidarisch zugehen“, findet Michael Brems, als es in der Diskussion um Privat- und gesetzlich Krankenversicherte geht. Pastor Brems von der Koordinierungsstelle für Krankenhausseelsorge bezeichnet eine „Privatisierung im Bereich einer Grundversorgung als Sündenfall“.

„Gerecht behandelt un(d) gerecht verteilt?“ hieß die Veranstaltung am Buß- und Bettag, zu der das Ethikreferat der DIAKO und das sh:z-Medienhaus in den Fliednersaal der DIAKO eingeladen hatten. Unser Gesundheitswesen gehöre zu den besten der Welt, hob Rektor Wolfgang Boten eingangs hervor. Um gleich einschränkend die Frage aufzuwerfen: „Wie wollen wir unser Gesundheitssystem künftig finanzieren, wenn etwa eine neue Chemotherapie täglich 4000 Euro kostet?“

sh:z-Chefredakteur Stefan Kläsener unterstrich, dass das Thema „Versorgungsgerechtigkeit“ eine zentrale Bedeutung habe, „um die sich die Gesellschaft kümmern muss.“ Das verdeutlichte Kläsener an den Nordsee-Inseln:  „Dort zahlen die Menschen den gleichen Krankenkassenbeitrag, haben aber nicht die gleiche Versorgung.“

Von den „Erfahrungen eines Patientenvertreters“ berichtete, Pastor Andreas Eilers, Patientenombudsmann für die Kreise Kiel, Rendsburg-Eckernförde, Plön und Segeberg. Und schilderte eine wahre Odyssee eines Patienten mit unaufhörlichem Nasenbluten zwischen mehreren Arztpraxen und Notaufnahmen – die von früh morgens bis spät in die Nacht dauerte. „Gerecht ist, wenn mindestens das Notwendige gemacht wird“, sagte Eilers. Es komme leider öfter vor, dass dies nicht geschehe.

Unter dem Titel „Schlagzeile“ verdeutlichte Moderator Carlo Jolly, Leiter der Stadtredaktion des Flensburger Tageblattes, anhand von fiktiven Fällen die Entscheidungsnöte einer Zentralen Notaufnahme, wenn nicht allen zeitgleich eintreffenden Patienten sofort geholfen werden kann.

Andrea Dörries, Kinderärztin und Gesundheitsethikerin aus Hannover, berichtete, wie im Gesundheitswesen rationiert oder rationalisiert werden könne: Personaleinsparungen seien vor allem in der Pflege in den vergangenen Jahren zum Problem geworden. Dringlichkeit und Prognose seien wichtige Stichworte: „Ein Notfall schlägt in der Klinik alles, aber was ist, wenn die Prognose schlecht ist“, fragte sie. Welche Lebenserwartung müsse jemand haben, damit er noch bestimmt Leistungen erhalte? In England liege die Altersgrenze für künstliche Hüftgelenke bei 65 Jahren. Gleichheit sei längst nicht die einzige Vorstellung von Gerechtigkeit. „Gerecht ist, womit der größte Nutzen für die größte Gruppe erzieht wird“, eine andere. Und ob ein Patient dem Personal sympathisch ist, sei nicht irrelevant. Neu sei, dass das Bewusstsein der Kosten mit der Fallpauschale aus der Vorstandsetage in die unterste Ebene vorgedrungen sei.

Die sehr lebhafte, spannende Diskussion im Anschluss an die Vorträge belegte, wie sehr das Thema Gerechtigkeit im Gesundheitswesen die Menschen beschäftigt und bewegt. Cartoonist Kim Schmidt begleitete die Diskussion mit pointierten Zeichnungen.

Text: Carlo Jolly
Text und Foto: Ole Michel 

"Sterbehilfe - zwischen Selbstbestimmung, Mitgefühl und Verantwortung" 18.11.2015

Pastor W. Boten
Stefan Kläsener Chefredakteur sh:z
Auflockerung durch das Spontan-Theater Improgramm
Dr. Volker von Borzeszkowski
Dr. Andreas Tietze
Pröpstin Carmen Rahlf
Sr. Maren Scholtyssek
Dr. Hermann Ewald

Bewegende Diskussion über ein hochaktuelles Thema

"Sterbehilfe": Gemeinsame Veranstaltung des Ethikreferates und des sh:z

Als kürzlich im Bundestag über das neue Sterbehilfegesetz abgestimmt wurde, war der Fraktionszwang aufgehoben. Das hieß, jeder Abgeordnete konnte tatsächlich nach seinem Gewissen entscheiden, ohne sich in der Fraktion einer Mehrheitsmeinung unterwerfen zu müssen. Das Gesetz sieht unter anderem ein Verbot der „geschäftsmäßigen“ Sterbehilfe vor, ließ darüber hinaus jedoch viele Fragen bei dem ethisch heiklen Thema offen.

„Sterbehilfe – zwischen Selbstbestimmung, Mitgefühl und Verantwortung“ hieß eine vor diesem Hintergrund hochaktuelle Veranstaltung des Ethikreferates der DIAKO und des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z), die am Buß- und Bettag viele Besucher in den Fliednersaal der DIAKO führte. Die Referenten aus den Bereichen Recht, Politik, Theologie, Pflege und Medizin griffen die aktuelle parlamentarische Beschlussfassung auf und beleuchteten sie aus ihrer jeweiligen Sichtweise. Rektor Wolfgang Boten und sh:z-Chefredakteur Stefan Hans Kläsener betonten bei der Eröffnung der Veranstaltung, dass die Diskussion über Sterbehilfe sehr emotional geführt wird und es dabei oft zu einer Vermischung von unterschiedlichen Begriffen und Zielen kommt. Die Folge ist eine Verunsicherung der Patienten, ihrer Angehörigen und der Behandlungsteams. Beide hoben hervor, dass das Thema relevant ist für unsere Gesellschaft und daher offen debattiert werden müsse.

In seinem „Rückblick auf den politischen Diskurs“ ging Dr. Andreas Tietze (Die Grünen), Mitglied des Landtages Schleswig-Holstein und Synodenpräsident der Nordkirche, auf die politische Debatte ein. „Ich bin froh, dass die Mehrheit des Bundestages gegen eine Kommerzialisierung der Sterbehilfe gestimmt hat“, so Tietze. Der Staat habe aber auch dafür zu sorgen, dass in diesem Zusammenhang kein „Restrisiko“ für Ärzte bleibe.

Zuvor hatte Dr. Volker von Borzeszkowski, Fachanwalt für Arbeits- und Medizinrecht und Mitglied im Ethikrat der DIAKO, den Zuhörern die „Rechtlichen Grundlagen“ erläutert. Anhand von Grenzfällen schilderte von Borzeszkowski die juristische Kompliziertheit der Sterbehilfe. Die Tötung auf Verlangen sei in jedem Fall strafbar, die Hilfeleistung beim freiverantwortlichen Suizid unter bestimmten Voraussetzungen dagegen nicht.

„Für mich hätte die Kommerzialisierung der Sterbehilfe unter einem schlechten Stern gestanden“, unterstrich auch Pröpstin Carmen Rahlf in ihrem Vortrag. Sie plädierte stattdessen für einen weiteren Ausbau und eine Stärkung der Palliativmedizin und der Hospize.

Von dort, aus der Praxis, berichtete Maren Scholtyssek, Palliativ-Care-Pflegefachkraft und Koordinatorin für den Bereich spezialisierte ambulante Palliativversorgung im Katharinen Hospiz. „Die körperlichen Schmerzen sind nur ein Teil“, sagte Maren Scholtyssek. Bei der Symptom-Linderung sei heute sehr viel möglich. „Unsere Aufgabe ist es aber auch, das psychische Leid zu lindern.“ Zu der Angst, leiden zu müssen, kommen Ängste – wie die Selbstbestimmung zu verlieren und anderen zur Last zu fallen – hinzu. Maren Scholtyssek hob zudem die Bedeutung des achtsamen, wertschätzenden Umgangs mit den Patienten hervor. Durch die Begleitung mit Palliativ Care schwinde meistens auch der anfangs häufig genannte Wunsch, das Leben vorzeitig zu beenden. Wie das Publikum zeigte sich auch Moderatorin Annette Symanczyk, Journalistin der sh:z-Gesundheitsredaktion, tief beeindruckt von diesem Einblick in den Pflegealltag mit Sterbenskranken.

„Betroffene und Familien ehrlich ernst zu nehmen ist das Wichtigste für mich“, sagte Dr. Hermann Ewald, Ärztlicher Leiter des Katharinen Hospizes und Vorsitzender des Hospiz- und Palliativverbandes Schleswig-Holstein. In seinem ebenfalls sehr bewegenden Vortrag ging der Palliativmediziner auf die Bedeutung des Zuhörens ein. „Wir müssen hören, was die Menschen, Angehörigen und Kollegen zu sagen haben; den Menschen sehen, statt nur die Erkrankung; die Würde erhalten; Auswege aufzeigen aus scheinbaren Sackgassen; Krisensituationen vordenken und planen; falsche Hoffnung benennen, gerechtfertigte Hoffnung bestärken“, zählte der Ärztliche Leiter des Katharinen Hospizes auf.

Wie sehr das Thema berührt und bewegt, zeigten die vielen Wortmeldungen aus dem Publikum, die der Diskussion über dies sensible Thema noch weitere Aspekte und Meinungen hinzufügten.

Text und Foto: Ole Michel; November 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Presse: Thies Lorenzen; sh:z; 19.11.2015

shz 19.11.2015

"Wann ist es genug? "

2. Gemeinsamer Ethiktag des Flensburger Klinikverbundes DIAKO und SFH 

Am 11.2.2015 trafen sich im Fliednersaal der DIAKO 130 Teilnehmende aus Pflege, Medizin, Seelsorge  und sozialen Diensten,  um sich dem komplexen Thema der Therapiezieländerung zu stellen.

Aus drei unterschiedlichen Perspektiven wurde zu Beginn auf diese Frage schaut. Der Anästhesist Dr. A. Borkamp, Hamburg, zeigte auf, dass Entscheidungen unter der Trias der medizinischen Indikation, Patientenautonomie und Ökonomie eher im Modell des  „shared –decison- making“  gelingen kann, aufgrund der Asymmetrie im Arzt-Patienten-Beziehung. Gerade die Aufgabe und das Ziel ärztlichen Handels beinhaltet auch das Zulassen des Sterbeprozesses inklusive vorausschauender Begrenzung und Reduktion einer nicht mehr indizierter Therapie.

Nicht erstaunlich war das Plädoyer des Professors für Strafrecht C. Sowada aus Greifswald für die Selbstbestimmung des Patienten. Jedoch seine prospektive Konfliktanalyse, dass es sich bei der medizinischen Indikation im Wesentlichen um ein Werturteil handelt, verschob die scheinbare medizinische Sachebene auf ein neues Feld und machte deutlich, dass die Dialogfähigkeit der behandelnden Ärzte und unterstützenden Dienste mit Patienten und Angehörigen unumgänglich ist.

Dr. P. Jaszcsak, Kopenhagen, stand als Gynäkologe und Mitglied im nationalen Ethikrat für den Blick über den Nachbarzaun zur Verfügung. Das dänische Gesundheitssystem ist Steuer – und Gemeinwohl orientiert, deswegen scheint hier das Tabu einer Ressourcenbegrenzung weniger kritisch. Sein Vortrag begann mit dem extremen Bericht aus Oregon (USA) wo einer Patienten die onkologische Behandlung durch die Krankenkasse verweigert wurde, aber die Finanzierung eines ärztlich assistierten Suizides zugesagt war. In dieser Spannung von gerechter Verteilung der Mittel und den staatlich vorgegeben Behandlungsvorgaben reibt sich der ärztliche Anspruch.

Dynamisch wurde es in den 25 Speedworkshops, die von Chef – und Oberärzten unserer Kliniken geleitet wurden. In lebhaften Diskussionen verdichteten sich noch einmal die Konfliktfelder, die in der Fragestellung der Therapiezieländerung stecken. Deutlich wurde, dass eine Schlüsselstellung die Kommunikation mit allen Beteiligten darstellt.

Resümee:

Das interprofessionelle Gespräch, der weite Blick auf den Einzelfall und der transparente Umgang mit ökonomischen Vorgaben ist konfliktreduzierend und scheint in der Therapiezieländerung und –findung weiterhin an Bedeutung zuzunehmen.

Klinisches Ethikkomitee SFH und Ethikreferat DIAKO